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Evaluationsergebnisse

Evaluation des Unterrichtsprogramms zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention in der Schule in Österreich

Das Unterrichtsprogramm EIGENSTÄNDIG WERDEN

Das Programm EIGENSTÄNDIG WERDEN besteht aus insgesamt 42 Unterrichtseinheiten für die Klassenstufen 1-4. Ziel des Programms ist die Förderung der allgemeinen Lebenskompetenzen und damit verbunden die Prävention gesundheitsgefährdender Verhaltensweisen und Gewalt.
Im Rahmen der Studie wurde auf Schülerebene untersucht, welche Effekte das Programm auf Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 3 und 4 hat. Auf Lehrerebene wurde untersucht, wie die Umsetzung des Programms erfolgte, und wie die Lehrkräfte das Unterrichtsprogramm hinsichtlich verschiedener Aspekte wie Praktikabilität, Materialien oder Altersangemessenheit bewerteten.

Aufbau der Studie zum Programm EIGENSTÄNDIG WERDEN

Es wurden zwei Gruppen von Schulklassen verglichen: In einer Gruppe von Schulen (so genannte Interventionsgruppe) wurde das Unterrichtsprogramm EIGENSTÄNDIG WERDEN durchgeführt, in der anderen Gruppe von Schulen (so genannte Kontrollgruppe) wurde neben dem „normalen“ Schulunterricht keine gesonderte Intervention durchgeführt.
Die Schülerinnen und Schüler beider Gruppen wurden zu zwei Zeitpunkten über Fragebögen befragt: Im Oktober 2005 und im Juni 2006. In dem Fragebogen wurden die Schüler zu Klassenklima, sozialen Kompetenzen, Selbstwert, Beteiligung an physischer und psychischer Gewalt, Rauchverhalten und Alkoholkonsum befragt. Zwischen der ersten und zweiten Befragung wurden in der Interventionsgruppe mindestens neun Unterrichtseinheiten des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN durchgeführt.
Es wurden insgesamt 2.149 Schülerinnen und Schüler aus 127 Klassen für die Teilnahme an der Studie gewonnen. An der zweiten Befragung im Juni 2006 nahmen 122 Klassen teil. Daten aus beiden Befragungen liegen von 1.915 Kindern vor.

Ergebnisse der Studie

Ergebnisse zu den Auswirkungen des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN

Um die Auswirkungen des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN abzuschätzen, wurden in der vorliegenden Studie die Schülerinnen und Schüler der beiden Gruppen dahingehend verglichen, ob sich in der Interventionsgruppe eine „bessere“ Entwicklung von Beginn bis Ende des Schuljahres abzeichnet als in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse der Studie für die verschiedenen untersuchten Bereiche waren wie folgt:

Klassenklima: Schülerinnen und Schüler der Interventionsgruppe berichteten im Kontrast zu Schülerinnen und Schülern der Kontrollgruppe seltener ein stabil schlechtes Klassenklima und häufiger eine Verbesserung des Klassenklimas. Somit konnte eine bessere Entwicklung des Klassenklimas in der Interventionsgruppe beobachtet werden.

Selbstwert und soziale Kompetenzen: In diesen Bereichen zeigten sich erwartungswidrige Effekte. In der Kontrollgruppe kam es häufiger zu einer Verbesserung und seltener zu einer Verschlechterung von Selbstwert und sozialen Kompetenzen als in der Interventionsgruppe. Eine mögliche Erklärung dieses Paradoxons könnte darin liegen, dass die Schüler der Interventionsgruppe bezüglich dieses Themas im Laufe des Unterrichtsjahres wesentlich sensibler und auch selbstkritischer wurden.

Beteiligung an Gewalt: Zwischen den beiden Gruppen ergaben sich leichte Unterschiede mit einer günstigeren Entwicklung für die Interventionsgruppe, d.h. die Beteiligung an physischer Gewalt und am Ausgrenzen anderer Schüler nahm in dieser Gruppe häufiger ab bzw. blieb seltener stabil zu beobachten. Diese Unterschiede waren jedoch gering.

Substanzkonsum: In beiden Gruppen machten nur sehr wenige Schülerinnen und Schüler erste Erfahrungen mit Zigaretten und Alkohol (ohne Wissen der Eltern). In der zweiten Befragung gaben in der Kontrollgruppe die Nie-Raucher etwas häufiger an, dass sie bald eine Zigarette probieren werden oder sie eine von Freunden angebotene Zigarette rauchen würden. Es ließen sich bei diesen niedrigen Häufigkeiten keine bemerkenswerten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen konstatieren.

Ergebnisse der Dokumentation und Bewertung der Unterrichtseinheiten durch die Lehrkräfte

Die Beurteilung der Unterrichtseinheiten durch die Lehrkräfte spiegelt ein sehr hohes Ausmaß an Zufriedenheit wider: So wurden Zielsetzung, Praktikabilität, zeitlicher Umfang, Materialien, Aktivitäten und Altersangemessenheit jeweils in deutlicher Mehrheit der Fälle als „sehr gut“ oder „eher gut“ beurteilt. Zudem haben 80 bis 90% in der Beurteilungen angegeben, dass die Unterrichtseinheit sowohl den Lehrkräften als auch den Kindern Freude bereitet haben, sowie für den weiteren Unterricht und die Kinder förderlich waren. Verbesserungsbedarf wurde nur selten gesehen.

Interpretation der Ergebnisse

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass die Teilnahme an dem Programm EIGENSTÄNDIG WERDEN zu einer Verbesserung des Klassenklimas und einer Abnahme der Beteiligung an Gewalt führt. Zudem ist die Akzeptanz des Programms bei den Lehrkräften sehr hoch. Diese Befunde stimmen weitgehend überein mit den Ergebnissen aus zwei weiteren Studien zur Prüfung der Effektivität des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN, die in Südtirol und Deutschland durchgeführt wurden. Sie sind in ihrem Ausmaß jedoch schwach ausgeprägt und ließen sich nicht in allen untersuchten Bereichen nachweisen.
Vermutlich liegt dies vor allem darin begründet, dass in der vorliegenden Studie die Umsetzung von EIGENSTÄNDIG WERDEN nur über ein Schuljahr beobachtet wurde. Somit wurde nur ein Teil des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN, das mit 42 Unterrichtseinheiten für die gesamte Grundschulzeit konzipiert ist, untersucht. Bei einer kompletten Umsetzung des Programms sollte die Effektivität größer sein als bei einer teilweisen Umsetzung. Aus Studien zu ähnlichen Programmen ist auch bekannt, dass längere Programme (11 bis 30 Einheiten) effektiver als kurze Programme sind – in diese Kategorie müsste die in der aktuellen Studie untersuchte Intervention eingeordnet werden. Zudem fand die Nachbefragung direkt nach Ende des Programms statt, sodass sich auch nur kurzfristige Auswirkungen nachweisen lassen. Es ist anzunehmen, dass sich in manchen Bereichen – wie zum Beispiel beim Substanzkonsum – Effekte erst nach einer Latenzzeit zeigen.

Fazit

Insgesamt weisen die bisherigen und die hier beschriebene Studien zu dem Unterrichtsprogramm EIGENSTÄNDIG WERDEN darauf hin, dass die Durchführung des Programms zu einer Verbesserung des Klassenklimas und einer Abnahme der Beteiligung an Gewalt führt.

April 2007

Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, IFT-Nord, Kiel
EIGENSTÄNDIG WERDEN Privatstiftung Österreich

Für detaillierte Evaluationsergebnisse nehmen Sie bitte direkt mit der EIGENSTÄNDIG WERDEN-Privatstiftung Kontakt auf.