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EIGENSTÄNDIG WERDEN – BEWEGUNGSBUCH

EVALUATION

(Zusammenfassung)

EIGENSTÄNDIG WERDEN ist ein Programm zur Entwicklung der Selbst- und Sozialkompetenz österreichischer Kinder im Grundschulalter, das seit etlichen Jahren erfolgreich umgesetzt wird. BEWEGUNGSBUCH – Ergänzende Einheiten zu Bewegung und Spiel lautet der Titel eines Erweiterungsmoduls, das für dieses Programm erarbeitet wurde. Dieses Medium ist inhaltlich mit dem neuen österreichischen Grundschullehrplan für Bewegung und Sport abgestimmt. Der Sportunterricht kann und soll auf diese Weise zum Erreichen der Intentionen von Eigenständig Werden beitragen.

Ziel der vorliegenden Studie war es, die Akzeptanz und die Wirkung des Bewegungsbuchs  im Bundesland Salzburg zu überprüfen.

Methode

Für die Untersuchung wurden vier Interventionsklassen (77 Schüler*innen) und vier Kontrollklassen (70 Schüler*innen) an vier Schulstandorten herangezogen.

Die Datenerhebungen in Form von Schüler*innenbefragungen erfolgten in den Interventionsklassen im Oktober 2010, Juni 2011 und Juni 2012. Zwischen der ersten und zweiten Erhebung wurden von den Klassenlehrer*innen sechs Unterrichtseinheiten des Bewegungsbuchs durchgeführt. In gleicher Weise wurde zwischen der zweiten und dritten Phase vorgegangen.

Die Lehrer*innen der Interventionsklassen dokumentierten und bewerteten die von ihnen ausgewählten und durchgeführten Unterrichtseinheiten umfassend. Das Verhalten der Schüler*innen und deren Kompetenzen waren dabei anhand zahlreicher Items einzuschätzen.

Darüber hinaus wurden Lehrkräfte, die im angeführten Zeitraum an Fortbildungsseminaren zum Bewegungsbuch teilgenommen hatten, exemplarisch hinsichtlich der pädagogisch-didaktischen Eignung einzelner Einheit befragt.

Die Schüler*innen der Interventionsklassen hatten einmal im Semester nach Durchführung einer Einheit des Bewegungsbuchs einen Fragebogen auszufüllen. Dabei sollte einerseits der Inhalt dieser Stunde bewertet werden, andererseits sollten die Kinder Fragen zu Klassenklima, Selbstwert, Empathie und sozialer Kompetenz beantworten. Die Schüler*innen der Kontrollklassen wurden lediglich zu den oben genannten Zeitpunkten befragt.

Die Auswertungen wurden mit dem Programm SPSS (Version 21.0) durchgeführt und die Diagramme in Excel 2010 erstellt.

Ergebnisse

Das Bewegungsbuch

Die Lehrkräfte beurteilten die Zielsetzungen, die jeweilige didaktische Aufbereitung und die Durchführbarkeit der Einheiten des Bewegungsbuchs sehr positiv. Auch das Feedback der Schüler*innen zu den unterrichteten Themen hat ergeben, dass die Stunden als interessant bewertet und freudvoll erlebt wurden. Die Schüler*innen konnten auch die jeweils angestrebten Ziele klar benennen. Die Erhebung liefert damit wertvolle Hinweise über die Qualität dieses Mediums.

In den Interventionsklassen haben die Lehrkräfte eindeutige Verbesserungen der sozialen Kompetenz festgestellt. Dieser wichtige Befund deckt sich mit den Angaben der Schüler*innen.

Auswirkungen auf den Selbstwert

Den Selbstwert betreffend bestehen zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe zu keinem Erhebungszeitpunkt signifikante Unterschiede. In beiden Gruppen sinkt der Selbstwert gegen Schuljahresende im Vergleich zum Schulanfang etwas ab. Dies ist ein im Schulalltag typisches Phänomen, da gegen Schulende auch die Belastung entsprechend ansteigt. Die Interaktion zeigt aber, dass die Interventionsgruppe einen geringeren Abfall des Selbstwerts im Vergleich zur Kontrollgruppe aufweist. Dies deutet auf einen interventionsbedingten Effekt hin. Dieses Ergebnis wird vor allem auch noch dadurch gestützt, dass die Varianz in der Interventionsgruppe viel geringer bleibt. Das kann wiederum dahingehend interpretiert werden, dass die Gruppe insgesamt stabiler bleibt als die Kontrollgruppe.

Auswirkungen auf die sozialen Kompetenzen

Die Gruppen unterscheiden sich hinsichtlich der sozialen Kompetenzen voneinander. Im Bereich der sozialen Kompetenzen konnte ein Interventionseffekt eindeutig festgestellt werden. Dies bedeutet, dass die Interventionsgruppe aus der Sicht der Lehrkräfte von der Intervention profitierte, während in der Kontrollklasse keine Veränderungen auftraten.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges. Das soll die Verantwortlichen aber auch motivieren, weitere Optimierungen des Mediums selbst und der Implementierung anzustreben. Solche Schritte wiederum könnten durch kleinere Erhebungen (Fallbeispiele) begleitend evaluiert werden.

Erweiterungsmodule wie das BEWEGUNGSBUCH sind geeignet, die Intentionen des Programms EIGENSTÄNDIG WERDEN wirkungsvoll zu unterstützen. Besonders der Sportunterricht kann und soll in Volksschule dazu einen Beitrag leisten.

Das Bewegungsbuch ist aber auch ein Beleg dafür, dass die Idee der Erweiterungsmodule erfolgversprechend ist. Die Argumentation für das in Entwicklung befindliche Modul Raufen – Kämpfen – richtig Streiten zur Gewaltprävention wird auf diese Weise gut gestützt.

Rif, 9. Oktober 2013

MMag. Christina Hötzinger
Univ.-Prof. Dr. Günter Amesberger
Ao. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Stadler

Für detaillierte Evaluationsergebnisse nehmen Sie bitte direkt mit der EIGENSTÄNDIG WERDEN-Privatstiftung Kontakt auf.